Leadore

Heute bin ich in Leadore angekommen. Ein winziger Ort mit etwas über 100 Einwohnern, wie es hier so einige davon gibt. Die Grenze zwischen Idaho und Montana ist selbst für hiesige Verhältnisse sehr dünn besiedelt. Die Autobahn, die über den Pass führt, an dem wir ankamen, entpuppte sich als Schotterstraße. In den etwa zweieinhalb Stunden, die ich mit zwei anderen Wanderern dort verbrachte, kamen etwa fünf Autos vorbei. Wir hatten ein Shuttle organisiert, das uns in das Dorf gebracht hat.
Die letzten Tage waren landschaftlich wieder einmal äußerst schön, mit vielen Gratwanderungen und herrlichen Ausblicken. Auch mit dem Wetter hatte ich Glück, es gab zwar fast jeden Nachmittag ein Gewitter, allerdings oft in so großer Entfernung, dass ich nicht einmal Regen abbekommen habe.
Was sich seit dem letzten Stop auch geändert hat: eigentlich seit ich Glacier National Park verlassen habe, war ich den größten Teil der Zeit alleine. Ungefähr einen halben bis ganzen Tag vor mir war eine Gruppe von ca. 25 Wanderern, die ich meist aber nur manchmal kurz in Städten getroffen habe. Seit dem letzten Dorf laufe ich mitten in einer Gruppe von ca. 10 Wanderern, wir überholen uns immer wieder gegenseitig, laufen manchmal Teile miteinander, Campen auch öfters zusammen und halten so einen gewissen Kontakt. Nach der langen Zeit alleine tut mir dieser Kontakt ganz gut.
Ich habe inzwischen die 1000 km Marke geknackt und bin schon über einen Monat unterwegs. Es war bis jetzt eine sehr interessante Zeit, vieles war so wie ich es erwartet hatte, einiges auch anders. Eine so große Wanderung klingt natürlich erstmal wie ein großes Abenteuer, tollen Erlebnissen, viel Spaß, schönen Landschaften, und einfach ein großartiges Outdoorerlebnis, wie man es aus Filmen oder Büchern kennt. Oft ist es allerdings einfach anstrengend, der Rucksack ist schwer, es ist heiß, oder auch sehr kalt, es regnet und man wird klatschnass, es gibt überall Mücken, es geht steil berghoch oder auch bergab, das Alleinsein zehrt, irgendetwas tut weh, oder es ist sonst irgendwas. Vor allem aber, und das habe ich schon letztes Jahr einen Pyrenäen festgestellt, ist es eine große mentale Anstrengung, sich immer wieder aufs Neue zu motivieren, morgens aus dem Schlafsack zu kriechen und weiter zu laufen, oder auch nur nach der Pause aufzustehen und die nächsten 10 km zu laufen. Nichtsdestotrotz habe ich insgesamt eine sehr gute Zeit gehabt, in der die positiven Erlebnisse trotz allem immer wieder die Anstrengungen Werte sind.

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